1 Million Unterschriften für mehr Forschung vor Freisetzung von Gen-Pflanzen

Der Club of Budapest Deutschland steht für eine nachhaltige ökologische Landwirtschaft ohne Gentechnik. Dies aus zweierlei Gründen: Zum einen fördern wir ein Verständnis, in dem nicht nur der Mensch Teil der Natur ist, sondern auch die Natur als essenzieller Teil des Menschen begriffen wird (unser Arbeitsfeld 1). Zum anderen fördern wir eine Kultur der Weisheit, die aus der Wissenskultur hervorgeht (unser Arbeitsfeld 4).

Aus beiden Perspektiven gibt die agroindustrielle Gentechnik Anlass zu größten Bedenken:

Erstens: Unser im Arbeitsfeld 1 skizziertes Mensch-Naturverständnis sieht alles Leben in diesem Planeten als ineinander verschränkt an. Die Gentechnik zerreißt die Verschränkung zugunsten der Befriedigung der materiellen Interessen weniger global agierender Konzerne. Sie versklavt den mütterlichen Aspekt des Lebens, der im Schenken wurzelt, und setzt den Raubzug egoistischer Machtmänner fort. Dies in einer Zeit, wo zunehmend offenbar wird, dass das Ende der Raubzüge gekommen ist. Die Behauptung der Gen-Lobby, mit gentechnisch veränderten Pflanzen den Hunger in der Welt beenden zu können, ist ein Vorwand, der längst durch eine erdrückende Zahl das Gegenteil beweisender Studien aufgedeckt wurde (Beispiel: Weltagrarbericht).

Zweitens: Es ist nicht weise, etwas zu tun, dessen Folgen man nicht kennt. Der einzelne Mensch mag so tollkühn sein dürfen, unter Lebensgefahr herauszufinden, wie hoch er ohne Seil in eine unbekannte Wand ohne Umkehrmöglichkeit steigen kann. Es darf aber nicht sein, dass der Rest der Menschheit dazu verurteilt wird, diesen Weg mitmachen zu müssen. Die Langzeitfolgen der agroindustriellen Gentechnik sind heute völlig unbekannt – die Technologie ist gerade mal zwanzig Jahre alt. Es ist auch kein Rückweg bekannt, der das Leben bei einem Versagen der Technik in den Zustand vor der ersten Freisetzung gentechnisch manipulierter Organismen zurückversetzen könnte. Die Zulassung des Anbaus gentechnisch veränderter Pflanzen ohne ausreichende Langzeiterfahrung – und hier kann es nur um generationenlange Zeiträume gehen! – ist in höchstem Maß verantwortungslos. Das Desaster bei der Entsorgung nuklearer Abfälle ist bereits ein Desaster zuviel.

In vielen Ländern der Erde darf inzwischen gentechnisch verändertes Saatgut angebaut werden. Auch in Europa werden seit rund fünfzehn Jahren Freisetzungsversuche durchgeführt. Allerdings hatte die Europäische Kommission in den letzten zwölf Jahren ein Moratorium für gentechnisch verändertes Saatgut verhängt. In den vergangenen Wochen hat sich die Lobby von Monsanto, Syngenta, Pioneer, BASF & Co. auch in der EU durchgesetzt und die Zulassung der gentechnisch veränderten Kartoffelsorte BASF-Amflora sowie einiger gentechnisch veränderter Maissorten von Monsanto erwirkt. Dabei lehnt auch jüngsten Studien zufolge die Mehrheit der Bevölkerung in Europa gentechnisch veränderte Lebensmittel ab. In den USA bilden gentechnikfreie Lebensmittel sogar das am stärksten wachsende Marktsegment. Stets die neuesten Untersuchungen dazu finden Sie z.B. auf der Seite der Initiative Gentechnikfreie Regionen in Deutschland.

Unter den Aktionen der großen Umweltverbände, die zumindest auf Verlängerung des Forschungszeitraums drängen, erscheint uns aktuell die Initiative der Organisation Avaaz besonders unterstützenswert. Avaaz, nach eigenen Angaben „eine neue globale Internetbewegung, die mit demokratischen Mitteln für eine gerechtere Welt kämpft“, will 1 Million Unterschriften für eine Petition an die Europäische Kommission zur Rücknahme der Zulassung gentechnisch veränderter Lebensmittel sammeln.

Von Unterschriftenaktionen mag man halten, was man will. Viele Aktivisten lehnen sie als ineffektiv und vor allem als zu langwierig ab. Ich habe aber ausreichend erfahren, dass solche Aktionen vor allem Menschen in Bewegung setzen, die anders nicht aktiv werden können oder wollen. Deshalb unterstützt der Club of Budapest Deutschland diese Aktion.

Hier geht’s direkt zur Seite von Avaaz mit der Petition.

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