Stromen
stromen; ich strome, du stromst: ein Begriff, der die immaterielle Natur des Worts „schicken“ der Wirklichkeit näherbringen soll. „Ich schicke dir eine Mail“ – das klingt doch so, als würde nur die Essenz meiner Gedanken auf die Reise gehen, ein ganz und gar ätherischer Vorgang, körperlos, und beim Empfänger verdichtet sich das Geschickte auf magische Weise wieder und manifestiert sich wie Belsazars Zauberschrift auf dem Stückchen Plastikwand vor mir. Da steckt aber Strom dahinter. Wenig zwar, aber die Masse machts, oder nicht? Wir wissen zwar, dass unsere Kommunikation Ressourcen verbraucht: Am Anfang waren Heu, Hafer und Sitzmuskeln gefragt, dann kam der Verbrauch von Eschenholz und Eisen sowie Kupfer und Zink für das messingne Posthorn, später Sprit und noch mehr Metalle, und heute ist es halt der Strom, den unsere Botschaften verbrauchen. Und dessen Erzeugung kostet weiterhin Holz, Getreide, Erze und Muskelkraft ohne Ende.
Ich experientiere jetzt mal eine Zeitlang mit dem Wort „stromen“. Ich strome dir eine Mail, ich strome dir das PDF, ich strome dir per SMS herzliche Glückwünsche, ich strome dich heute Nachmittag per Telefon an, ich strome diesen Artikel ins Netz … Freilich strome ich auch das Licht auf meinem Schreibtisch an, und ich strome mein Joghurt kalt, ich strome gerade das Kaffeewasser heiß und die Haare trocken etc. Es ufert schnell aus. Deswegen konzentriere ich mich damit mal auf die Kommunikation und nenne die Ressource, die ich verbrauche, beim Namen. Mal sehen, was das mit mir macht. Mitmacher sind selbstverständlich willkommen.
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2 Kommentare to “Stromen”
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[...] betreiben. Von dort kommt gerade ein Hinweis auf ein diskussionswürdiges Buch in meine Mailbox gestromt, auf das ich gerne einen Hinweis bringe: Franz Nahrada, „Unsichtbare Intelligenz: Kritik, Vision [...]
[...] gehört? Wenn nicht: bitte danach googeln oder z.B. hier nachlesen!) Allein, dass ich diesen Post stromen kann, bringt doch das Gehirn, das sich mal ganz entspannt mit all den Voraussetzungen und [...]