Neues von der Antarktischen Halbinsel
Ein vorgestern veröffentlichter Bericht von der United States Geological Survey (USGS) weist zum ersten Mal nach, dass sich im Zeitraum von 1947 bis 2009 jede Eiskante im südlichen Teil der Antarktischen Halbinsel zurückgezogen hat. Die dramatischsten Veränderungen wurden seit 1990 beobachtet. Bereits früher hat die USGS für die Mehrzahl der Eiskanten der gesamten Halbinsel (immerhin rund 1.200 km lang) schwindende Werte nachgewiesen. Noch schmilzt erst das Schelfeis, und das schwimmt bekanntlich bereits im Wasser und trägt somit nicht zum Steigen des Meeresspiegels bei. Zwei Faktoren beunruhigen jedoch – wenn schon nicht die globalen Entscheider – zumindest die Forscher der an der Studie beteiligten Institute, neben der USGS die British Antarctic Survey, das Scott Polar Research Institute und das deutsche Bundesamt für Kartographie und Geodäsie:
Erstens sichert das Schelfeis den Antarktischen Eisschild vor dem Abrutschen von der Landmasse des Kontinents. Wenn das Schelfeis schwindet, gleiten die Eismassen aus dem Landesinneren ungehindert in die See, und das lässt dann den Meeresspiegel steigen. In der Antarktis ist rund 98 % des weltweiten Gletschereises versammelt. Würden lediglich die Gletscher der Westantarktis auftauen, hätte das einen Anstieg des Meeresspiegels um durchschnittlich 6 Meter zur Folge. Würde sich die gesamte Wasssermenge, die im antarktischen Eisschild gebunden ist, verflüssigen, stiege der Meeresspiegel um rund 70 Meter an. (Das alles ist eigentlich bekannt, aber da man uns sagt, das dauere alles ziemlich lang, ist es auch ziemlich langweilig. Oder nicht?)
Zweitens: Die Westantarktis ist der Teil der Erde, dessen klimatische Bedingungen sich derzeit am stärksten wandeln. Das Eis schmilzt noch schneller als im grönländischen Qaqortoq. Dort ist die Euphorie über einen neuerdings möglichen Kartoffelanbau oder gar eine Rinderzucht allerdings schon wieder verflogen, weil die zunehmende Temperatur nun für Trockenheit sorgt. (Hier kann man sich immerhin mal durch ein Video unterhalten lassen: „Oh guck mal, sind die klein, die Kühe …“)
Ja, was fangen wir nun mit einer solchen Information an? Es ist ja nur eine von vielen derartigen, und sie betrifft Vorgänge, die so weit weg von uns erscheinen, dass wir uns emotional gar nicht damit verbinden können. – Oder doch?
Ich lade Sie zu einer kleinen Übung ein:
Klicken Sie auf das untenstehende Bild, so dass Sie es groß genug auf Ihrem Bildschirm sehen. Dann schauen sie darauf, als wäre es ein Mandala. Betrachten Sie es wie ein Meditationsbild, und lassen Sie Ihre Gedanken mit den Formen der Linien und den Jahreszahlen spielen. Achten Sie auf Ihre Empfindungen und gehen Sie Ihren Gefühlen zwanglos nach. Halten Sie eine Zeitlang aus, was Sie fühlen, und dann stehen Sie vom Computer auf, und gehen nach draußen. Ist das, was Sie gefühlt haben, in irgendeiner Weise relevant für das, was Sie nun „draußen“ erleben?
Zur Quelle für die Grafik gelangen Sie hier.
Kommentare
3 Kommentare to “Neues von der Antarktischen Halbinsel”
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Sehr interessanter Blog. Bloss, ein RSS-Feed zum regelmässigen Schmökern fehlt….
Hm, wir sind davon ausgegangen, dass ja die Browser RSS-Buttons zur Verfügung stellen. Aber danke für den Hinweis, wir werden den Knopf auf die Seite bringen.
Übrigens schön, dass auf eurer Seite Nachhaltigkeit, Genuss und Bewusstsein so bodenständig verbunden werden. Prosit – es möge nützen!
Das wäre schön. Die Browserbuttons funktionieren ja auch nur, wenn ein RSS-Feed angeboten wird.
Wir hoffen, dass es nützt! Euch auch viel Erfolg!